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282 Orte
Leap Castle
Eine Burg in der Grafschaft Offaly im Besitz des O'Carroll-Clans, in der 1532 ein Bruder den anderen — einen Priester — während der Messe am Altar erstach. Seither heißt der Raum die Blutige Kapelle. Bei Reparaturen Anfang des 20. Jahrhunderts wurde darunter ein Angstloch geöffnet, unten Spieße; die Überreste füllten drei Karren. Daneben gibt es das Elementar, ein Wesen, dessen Ankunft sich angeblich mit Verwesungs- und Schwefelgeruch ankündigt.
Der Hellfire Club auf Montpelier Hill
Ein Jagdhaus, 1725 über Dublin errichtet, aus Steinen eines prähistorischen Hügelgrabs, das man eigens dafür zerstörte — die Einheimischen sagten sofort, das gehe schlecht aus. Kurz darauf riss ein Sturm das Dach ab. Später übernahm der irische Hellfire Club das Gebäude; die Berichte über das, was drinnen geschah, gehen auseinander, und der bekannteste erzählt von einer Kartenpartie, bei der jemandem auffiel, dass einer der Gäste statt eines Fußes einen Huf hatte.
Die Gewölbe von Edinburgh
Neunzehn Bögen der South Bridge, 1788 von innen als Werkstätten und Lager ausgebaut. Binnen dreißig Jahren machte die Feuchtigkeit sie unbrauchbar, und die Armen zogen ein — ohne Licht, ohne Abfluss, ohne Belüftung. Man nimmt an, dass Burke und Hare hier arbeiteten und Leichen an Anatomen verkauften. Die Gewölbe wurden verfüllt und erst in den 1980er-Jahren wieder geöffnet; heute führen Rundgänge hindurch, und die Berichte der Besucher gleichen einander auffällig.
Chillingham Castle
Eine Burg aus dem 13. Jahrhundert in Northumberland an der schottischen Grenze, in der jahrhundertelang gefangene Schotten festgehalten und gefoltert wurden — die Folterkammer ist samt Werkzeugen erhalten. Ihre bekannteste Erscheinung ist der Strahlende Knabe, ein bläuliches Leuchten an einer Wand des Rosa Zimmers; bei Reparaturen fanden sich in dieser Mauer eingemauert die Knochen eines Kindes und ein Fetzen blauen Stoffs. Nach der Bestattung, sagen die Besitzer, hörte es auf.
Borley, „das meistheimgesuchte Haus Englands“
Ein Dorf in Essex, in dem ein Pfarrhaus stand, das der Forscher Harry Price 1929 zum meistheimgesuchten Haus Englands erklärte und für ein Jahr zur Beobachtung mietete. Berichtet wurde von einer Nonne im Garten, einer Geisterkutsche und Schrift, die an den Wänden erschien. Das Haus brannte 1939 ab. Später zeigte sich, dass Price einen guten Teil der Phänomene wohl selbst hervorgebracht hatte — der Ruf überlebte jedoch sowohl das Haus als auch die Entlarvung.
Whitby Abbey
Die Ruinen einer Benediktinerabtei auf einer Klippe über der Nordsee, wo Bram Stoker 1890 Urlaub machte und in der Ortsbibliothek den Namen des walachischen Fürsten Dracula fand. Im Roman läuft hier die Demeter auf, und der Graf springt in Gestalt eines schwarzen Hundes die hundertneunundneunzig Stufen zur Kirche hinauf. Die Stufen gibt es, die Abtei gibt es, und in Whitby versammelt sich jedes Jahr eines der größten Gothic-Festivals Europas.
Loch Morar und Morag
Der tiefste Süßwassersee der Britischen Inseln — über dreihundert Meter, tiefer als Loch Ness. Ein Wesen namens Morag taucht in örtlichen Berichten seit 1887 auf. Der bekannteste Vorfall stammt von 1969, als zwei Fischer angaben, etwas von rund neun Metern habe ihr Boot gerammt und einer von ihnen habe mit einem Gewehr darauf geschossen. Die Aussage wurde bei der Polizei zu Protokoll gegeben.
Ben Macdui und der Fear Liath Mòr
Der zweithöchste Berg Großbritanniens, auf dem erfahrene Bergsteiger seit Anfang des 20. Jahrhunderts dasselbe berichten: ein Gefühl von Anwesenheit, Schritte, die im Nebel folgen, und eine Panik, die sie hinuntertreibt. Professor Norman Collie schilderte sein eigenes Erlebnis 1925 öffentlich, unter echtem Risiko für seinen Ruf. Man nennt das Wesen den Großen Grauen Mann; eine Erklärung mit Echos und dem Brockengespenst gibt es, und sie überzeugt die nicht, denen es widerfahren ist.
Rendlesham Forest
Ein Wald in Suffolk zwischen zwei US-Luftwaffenstützpunkten, in dem Soldaten in drei Nächten des Dezembers 1980 dreimal Lichter und ein gelandetes Objekt meldeten. Der stellvertretende Kommandeur Charles Halt hielt die Ereignisse mit einem Diktiergerät im Wald selbst fest und reichte ein offizielles Memorandum ein, das später freigegeben wurde. Das Verteidigungsministerium erklärte, es gebe keine verteidigungsrelevante Bedeutung, und damit endete die Untersuchung. Man nennt es Britanniens Roswell.
Pendle Hill
Ein Hügel in Lancashire, an dessen Fuß 1612 der berühmteste englische Hexenprozess stattfand: zwölf Angeklagte, zehn Gehängte, Anklage wegen zehn Morden durch Hexerei. Ein großer Teil der Beweise stammte aus der Aussage eines neunjährigen Mädchens gegen die eigene Familie. Jedes Halloween steigen Tausende auf den Gipfel, und jedes Jahr bittet die Polizei von Lancashire sie, es zu lassen.
Epping Forest
Ein alter Wald an der Grenze zwischen London und Essex, einst Zuflucht von Straßenräubern — ein Gasthaus hier trägt Dick Turpins Namen. Im letzten Jahrhundert wurde er für etwas anderes bekannt: Seit Generationen werden Leichen hierhergebracht. Die Polizei hat in ihm die Überreste mehrerer Mordopfer geborgen, und der Wald hat einen Ruf, der Berichte über Gestalten zwischen den Bäumen glaubwürdiger klingen lässt, als sie sein sollten.
Wistman's Wood
Ein winziger Hain aus Zwergeichen im Dartmoor, die unmittelbar aus Granitblöcken wachsen und vollständig von Moos und Flechten überzogen sind. Der Wind hat die Bäume bis zur Unkenntlichkeit verdreht, und zwischen den Steinen klaffen Spalten, tief genug, einen Menschen zu verschlucken. Der Name wird auf das Dialektwort wisht zurückgeführt — unheimlich, verzaubert. Er gilt als einer der letzten Reste jenes Waldes, der Dartmoor vor der Bronzezeit bedeckte.
Dartmoor
Das Moor in Devon, das Conan Doyle den Hund von Baskerville lieferte: Hier hörte er die Überlieferung von Richard Cabell, einem Gutsherrn des 17. Jahrhunderts, dessen Sarg angeblich eine Meute Geisterhunde folgte. Man nennt sie die Wisht Hounds, und noch immer werden sie entlang des alten Wegs beschrieben. Eine eigene Geschichte betrifft die Haarigen Hände an der B3212, die Motorradfahrern zufolge nach dem Lenker greifen.
Bodmin Moor und seine Bestie
Ein Granitmoor in Cornwall, wo Bauern ab 1978 Vieh mit Wunden verloren, die Tierärzte für hundeuntypisch hielten. Zeugen beschrieben eine große schwarze Katze. 1995 führte das Landwirtschaftsministerium eine förmliche Untersuchung durch und kam zu dem Schluss, es gebe keine Belege für eine Großkatze; eine Woche später fand ein Schuljunge an einem Flussufer einen Schädel, der sich als der eines Leoparden erwies — er stammte allerdings von einem importierten Fell.
Cannock Chase
Fünfzehnhundert Hektar Heide und Wald in Staffordshire, wo in den letzten Jahrzehnten alles zugleich gemeldet wurde: schwarze Katzen von Pumagröße, ein „Werwolf“ nahe dem deutschen Soldatenfriedhof und eine Gestalt mit brennenden Augen. Die Polizei der Grafschaft nimmt solche Anrufe regelmäßig entgegen und protokolliert sie. Eine ungeklärte Serie von Kindermorden in den 1960er-Jahren legt eine eigene Schicht über den Ruf des Ortes.
Chan Chan
Die größte Lehmziegelstadt der Welt: zwanzig Quadratkilometer Mauern aus Adobe, Hauptstadt des Chimú-Reichs, bis die Inka sie um 1470 einnahmen. Die Wände tragen Reliefs von Meerestieren und Wellen. 2018 fand sich hier ein Grab mit den Überresten von über hundertvierzig Kindern und zweihundert Lamas — das größte bekannte Kinderopfer der Geschichte, den Schlammschichten nach zu urteilen während einer Überschwemmung dargebracht.
Ciudad Perdida
Eine Tairona-Stadt in der kolumbianischen Sierra Nevada, um 800 n. Chr. gegründet — sechshundertfünfzig Jahre vor Machu Picchu. Während der spanischen Eroberung aufgegeben und erst 1972 wiedergefunden, von Grabräubern, die auf zwölfhundert durch den Dschungel aufsteigende Stufen stießen. Die in der Nähe lebenden Kogi verstehen sich als ihre Hüter und sagen, sie hätten sie nie verloren.
Cerro Uritorco
Ein Berg in der argentinischen Provinz Córdoba, der wichtigste UFO-Wallfahrtsort Lateinamerikas. Im Januar 1986 fand sich an seinem Hang ein versengtes Oval von rund hundertzwanzig Metern, nie erklärt. Die örtliche esoterische Überlieferung verortet im Inneren des Bergs eine verborgene unterirdische Stadt, Erks. In der Silvesternacht steigen Tausende hinauf, um auf Lichter zu warten.
Nahuel Huapi und Nahuelito
Ein tiefer Gletschersee im argentinischen Patagonien, in dem lange vor Loch Ness ein Wesen beschrieben wurde: Die Mapuche erzählten den Spaniern schon im 18. Jahrhundert davon. 1922 kündigte der Zoo von Buenos Aires eine Expedition zur Suche nach einem Plesiosaurier an, und die Geschichte ging um die Welt. Nahuelito wird als rund fünfzehn Meter langer Buckelrücken beschrieben; es gibt viele Fotos und kein einziges überzeugendes.
Titicacasee
Der höchstgelegene schiffbare See der Welt, an der Grenze zwischen Peru und Bolivien, aus dem der Inka-Überlieferung nach Manco Cápac stieg, um ihr Reich zu gründen. Im Jahr 2000 fand eine Unterwasserexpedition auf dem Grund nahe der Sonneninsel eine Steinterrasse und eine rund achthundert Meter lange Mauer — vorinkaische Tiwanaku-Architektur, heute versunken. Vom Grund werden weiter Opfergaben geborgen: Goldfigürchen, Weihrauch, Lamaknochen.
Machu Picchu
Eine Inkastadt auf dem Sattel zwischen zwei Gipfeln in 2400 Metern Höhe, um 1450 erbaut und vielleicht ein Jahrhundert später aufgegeben — wahrscheinlich wegen der Pocken, die vor den Spaniern selbst eintrafen. Die Konquistadoren erreichten sie nie und erfuhren nie von ihr. Die Steine sitzen ohne Mörtel so genau, dass keine Messerklinge dazwischenpasst, und der Intihuatana, ein behauener Pfeiler, wirft zu den Sonnenwenden kaum einen Schatten.
Teotihuacán
Eine Stadt, die um 500 n. Chr. die größte der westlichen Hemisphäre war und schon Jahrhunderte in Ruinen lag, als die Azteken kamen. Sie wussten nicht, wer sie erbaut hatte, und nannten sie den Ort, an dem Menschen zu Göttern werden. Unter dem Tempel der Gefiederten Schlange fanden Archäologen 2003 einen fast zweitausend Jahre versiegelten Tunnel: Tausende Objekte darin, Kammern mit Decken, die mit Pyrit bestäubt einen Nachthimmel nachahmen, und Lachen aus flüssigem Quecksilber.
El Yunque
Der einzige tropische Regenwald im System der US-Nationalforste, über den Bergen im Osten Puerto Ricos. Örtliche Erzählungen lassen den Chupacabra von hier zu den Höfen herabsteigen und siedeln irgendwo darin ein geheimes Labor an, aus dem er entkam. Der Wald braucht keine Legende, um zu beeindrucken: drei Meter Regen im Jahr, ständige Wolken und der Ruf der Coquí-Frösche, überall zu hören und fast nie zu sehen.
Moca, wo der Chupacabra begann
Im März 1995 fanden Bauern in dieser puerto-ricanischen Stadt Schafe und Ziegen tot, blutleer, mit zwei sauberen Einstichen am Hals. Binnen Monaten ging die Zahl inselweit in die Hunderte. Zeugen beschrieben ein mannshohes Wesen, das sich in Sprüngen fortbewegte, mit Stacheln auf dem Rücken und riesigen schwarzen Augen. Ein puerto-ricanischer Journalist prägte den Namen — Ziegensauger —, und in dreißig Jahren hat sich der Chupacabra von Mexiko bis Chile ausgebreitet.