Stufe Grün — mystische Orte auf der Karte
Wirkliche Orte mit leerer Akte — nichts ist überliefert, was jemandem zugestoßen wäre. Eine Geschichte, ein Gerücht, eine Stimmung, ein Gebäude mit Vergangenheit: erzählt wird vom Ort selbst, nicht davon, was er mit dem macht, der ihn betritt. Hier liegt der größte Teil des Katalogs, und das ist die ehrliche Antwort, nicht die langweilige.
101 OrteÜber die Gefahrenstufen
Newgrange
Ein irisches Ganggrab, um 3200 v. Chr. errichtet — älter als Stonehenge und die ägyptischen Pyramiden. Zur Wintersonnenwende fällt ein Strahl der aufgehenden Sonne durch eine schmale Öffnung und erhellt die Kammer tief im Inneren.
Schloss Bran
Eine Festung an einem Karpatenpass, bekannt als „Draculas Schloss“. Vlad der Pfähler hat hier mit ziemlicher Sicherheit nie gelebt — die Verbindung zu Stokers Roman kam später, auch wenn die Silhouette auf dem Felsen gut dazu passt.
Sokotra
Eine jemenitische Insel im Indischen Ozean, seit Jahrmillionen vom Festland abgeschnitten. Ein Drittel ihrer Pflanzen wächst nirgends sonst — darunter die Drachenblutbäume mit schirmförmiger Krone, die sie außerirdisch wirken lassen.
Danakil-Senke
Einer der heißesten und tiefstgelegenen Orte der Erde, im Norden Äthiopiens: Säuretümpel, Salzflächen und Schwefelfelder in Gelb und Grün. Die Landschaft wirkt so fremd, dass hier Instrumente zur Lebenssuche auf dem Mars getestet werden.
Natronsee
Ein alkalischer See in Tansania mit rostrotem Wasser von bis zu 60 °C. Seine Chemie konserviert die Körper toter Vögel unter einer Kalkkruste — daher jene Fotografien „versteinerter“ Tiere.
Blood Falls
Ein leuchtend roter Strom, der aus dem antarktischen Taylor-Gletscher sickert. Die Farbe stammt vom Eisen eines uralten Salzsees, seit Jahrmillionen unter dem Eis eingeschlossen — samt Mikroben, die ohne Licht leben.
Gaskrater von Darwaza
Ein brennender Gaskrater von rund 70 Metern Durchmesser in der turkmenischen Karakum-Wüste. Der gängigen Erzählung nach zündeten ihn Geologen an in der Annahme, das Gas sei in Tagen abgebrannt — er brennt seit 1971.
Racetrack Playa
Ein ausgetrocknetes Seebett im Death Valley, in dem sich Steine von selbst bewegen und lange Spuren hinter sich lassen. Erst 2014 war das Rätsel gelöst: dünne Eisplatten schieben die Brocken bei leichtem Wind vor sich her.
Oregon Vortex
Ein Hang in Oregon mit einer schiefen Hütte, in der Kugeln bergauf zu rollen scheinen und die Körpergröße eines Menschen sich von Standort zu Standort ändert. Ein klassisches „Mystery House“ — der Effekt entsteht durch geneigte Flächen und einen fehlenden echten Horizont.
Tunguska-Ereignis
Im Juni 1908 legte eine Explosion über der sibirischen Taiga rund 80 Millionen Bäume auf mehr als 2000 km² um. Ein Krater wurde nie gefunden, und über die Ursache wird seit über hundert Jahren gestritten.
Area 51
Ein gesperrtes Testgelände der US-Luftwaffe in der Wüste Nevadas, das jahrzehntelang offiziell nicht existierte. Die Erprobung geheimer Flugzeuge und die vollständige Geheimhaltung machten es zum Zentrum der weltweiten UFO-Mythologie.
Plymouth
Die Hauptstadt der Karibikinsel Montserrat, vom Ausbruch der Soufrière Hills 1995-97 unter Asche und Schlammströmen begraben. Rechtlich ist sie weiter die Hauptstadt — die einzige Geisterstadt mit diesem Status.
Beelitz-Heilstätten
Eine riesige Klinikanlage vor den Toren Berlins, um 1900 für Tuberkulosekranke errichtet. 1916 wurde hier der verwundete Hitler behandelt; Teile des Geländes stehen seit den 1990er-Jahren leer und sind innen grün überwachsen.
Buzludzha-Denkmal
Eine „fliegende Untertasse“ aus Beton auf einem bulgarischen Berggipfel — das Monumenthaus der Bulgarischen Kommunistischen Partei, 1981 eröffnet und nach 1989 aufgegeben. Drinnen bröckeln die Mosaiken, und durch die Kuppel sieht man den Himmel.
Belchite
Eine spanische Kleinstadt, 1937 in schweren Gefechten des Bürgerkriegs zerstört. Daneben entstand ein neues Belchite, die alten Ruinen ließ man absichtlich, wie sie waren — ausgebrannte Kirchen und von Einschlägen zerfressene Mauern.
Kadyktschan
Eine Bergarbeitersiedlung im russischen Gebiet Magadan, von Häftlingen des Dalstroi erbaut und nach einer Grubenexplosion 1996 aufgegeben. Ihre Wohnblocks stehen in der Kolyma-Tundra mit zerschlagenen Fenstern und zurückgelassenen Möbeln.
Centralia
Eine Stadt in Pennsylvania, unter der seit 1962 ein Kohleflöz brennt. Die Bewohner wurden umgesiedelt, die Straßen rissen auf, und aus den Spalten steigt seit Jahrzehnten Rauch — das Feuer könnte noch Jahrhunderte brennen.
Varosha
Das Hotelviertel von Famagusta auf Zypern, 1974 überstürzt geräumt und abgesperrt. Seit einem halben Jahrhundert zerfallen seine Strandhotels hinter Stacheldraht.
Oradour-sur-Glane
Ein französisches Dorf, in dem eine SS-Kompanie im Juni 1944 fast die gesamte Bevölkerung tötete. Auf de Gaulles Anordnung blieben die Ruinen als Mahnmal unangetastet — verbrannte Mauern, rostende Autos und Nähmaschinen an Ort und Stelle.
Kayaköy
Ein griechisches Dorf im Südwesten der Türkei, geleert durch den griechisch-türkischen Bevölkerungsaustausch von 1923. Mehrere hundert dachlose Häuser und zwei Kirchen stehen seit einem Jahrhundert unangetastet am Hang.
Craco
Eine mittelalterliche Stadt auf einem Felsgrat in der Basilikata, in den 1960er- und 70er-Jahren nach Erdrutschen und einem Erdbeben aufgegeben. Die leeren Steinhäuser und der Glockenturm auf dem kahlen Hügel dienten wiederholt als Filmkulisse.
Bodie
Eine kalifornische Goldrauschstadt, die fast 10 000 Einwohner zählte und sich Anfang des 20. Jahrhunderts leerte. Sie wird im Zustand des „arrested decay“ gehalten — in den Häusern liegt noch der Besitz, den ihre Bewohner zurückließen.
Hashima
Eine winzige Insel vor Nagasaki, vollgestellt mit Betonblocks für die Kohlekumpel und 1974 mit der Schließung der Grube aufgegeben. Ihre Silhouette brachte ihr den Beinamen Gunkanjima ein — „Schlachtschiffinsel“.
Prypjat
Eine Geisterstadt beim Kernkraftwerk Tschernobyl, 1986 nach der Katastrophe evakuiert. Ihre Plattenbauten, das Riesenrad und die zugewachsenen Straßen sind das Sinnbild eines sowjetischen Alltags, der mitten in der Bewegung stehengeblieben ist.